Wie Gott Gebete erhört und den Erzengel
Rafael als Heirats-Vermittler schickt.
(A/A/B/G/P/Y/Y/W)
Das deuterokanonische Buch
Tobit der alttestamentlichen
Apokryphen
ist in zwei griechischen Versionen erhalten. Wahrscheinlich wurde
das Buch im 5./4. Jahrhundert v. Chr. in Medien
verfasst. Die Orginalsprache war Hebräisch
oder Aramäisch.
Tobit ist ein frommer Israelit aus dem Dorf Tisbe in Obergaliläa
(südlich von Kedesch-Naftali,
oberhalb von Hazor, nördlich von Pegor). Er ist ein in die
Verbannung nach Ninive
ins Land der Assyrer (zur
Zeit Königs Salmanassar)
verschleppter Jude
aus Israel aus dem Stamme Naftali. Tobit erblindete durch Spatzen-Kot,
der in seine Augen fiel. Seine Frau Hanna
versuchte dann durch Web- und Handarbeiten Geld für den Lebensunterhalt
zu verdienen. Der nun blind gewordene Tobit verzweifelte an seinem
Leben und wünschte sich von Gott
den Tod. Tobit flehte Gott an, ihn sterben zu lassen. Zur selben
Zeit betete auch die junge Sara
aus Ekbatana in Medien (Stadt der Meder)
um ihren Tod, weil der böse Dämon
Aschmodai ihre sieben Ehemänner getötet hatte. Siebenmal
hatte ihr Vater sie einem Mann zur Frau gegeben, aber jedes Mal,
wenn der Bräutigam
die Ehe
mit ihr vollziehen wollte, wurde er von Saras Dämon getötet
(erwürgt).
Sie konnte die Schande, Vorhaltungen und Schmähungen nicht
mehr ertragen.
Da erinnerte sich Tobit an sieben Zentner Silber-Stücke
(zehn Talente),
das er vor 20 Jahren in der Stadt Rages in Medien bei seinem Landsmann
Gabael zur Aufbewahrung hinterlegt hatte. Tobit sagte zu seinem
Sohn Tobias: "Such dir einen zuverlässigen Mann, der dich
begleitet, geh zu Gabael und bring das Silber zurück."
Tobias ging hinaus und suchte jemand, der den Weg nach Medien kannte
und bereit war, ihn dorthin zu begleiten. Dabei traf er auf Rafael
(?/Asarja), wusste aber nicht, dass er einem von Gott gesandten Erz-Engel
in Menschengestalt begegnet war.
Tobias machte sich auf den Weg und der Engel begleitete ihn.
Auch der Hund des Hauses schloss sich ihnen an. Am ersten Abend
schlugen sie am Ufer des Tigris
ihr Nachtlager auf. Da schnellte plötzlich ein großer
Fisch aus dem Wasser und wollte Tobias einen Fuß abreißen.
Dieser aber packte den Fisch, warf ihn aufs Land und entnahm ihm
auf Rafaels Weisung Galle, Herz und Leber. Als sie sich der Stadt
Ekbatana
näherten, sagte Rafael: "Heute werden wir bei deinem Verwandten
Raguel übernachten. Er hat eine Tochter namens Sara. Sie ist
klug und tüchtig und sehr schön. Ihr Vater ist ein angesehener
Mann. Ich spreche heute Abend mit ihrem Vater und bitte für
dich um ihre Hand, und wenn wir von Rages zurückkommen, wird
die Hochzeit
gefeiert. - Heute Abend bringe ich ihren Vater dazu, dass er sie
dir zur Frau gibt." Tobias erwiderte: "Aber ich habe gehört,
dass Sara schon siebenmal verheiratet werden sollte und dass alle
sieben Männer in der Hochzeitsnacht den Tod fanden, bevor sie
die Ehe mit ihr vollziehen konnten. Es heißt ein Dämon
habe sie getötet." Aber Rafael antwortete: "Hör
auf mich und nimm das Mädchen! Ich weiß, noch diese Nacht
wird sie deine Frau. Hab keine Angst vor dem Dämon! Wenn du
mit ihr ins Brautgemach gehst, nimm ein Stück von der Fischleber
und das Fischherz und lege beides auf die Glut im Räuchergefäß.
Wenn der Geruch dem Dämon in die Nase steigt, ergreift er die
Flucht und kehrt nie mehr zurück. Bevor du dich dann mit Sara
verbindest, müsst ihr beide zuerst beten. Bitte den Herrn,
der im Himmel regiert, dass er erbarmen mit euch hat und euch beschützt.
Du brauchst keine Angst zu haben; Gott hat Sara für dich bestimmt,
schon bevor er die Welt geschaffen hat."
Als sie zu Raguel dem Vetter Tobits kamen, bat Tobias Rafael,
Raguel zu bitten, ihm seine einzige Tochter Sara zur Frau zu geben.
Raguel willigte ein. Er rief seine Tochter Sara, nahm sie bei der
Hand und übergab sie Tobias. Er rief Saras Mutter Edna, ließ
sich Schreibzeug bringen und setzte den Ehevertrag
auf. Dann sagte Raguel zu seiner Frau: "Mach das zweite Schlafzimmer
zurecht und führe Sara hinein!" Als es Schlafenszeit war,
führte man den Bräutigam in das vorbereitete Zimmer. Tobias
dachte an die Weisung Rafaels, nahm Leber und Herz des Fisches aus
seiner Reisetasche und legte sie auf die glühenden Kohlen.
Als man sie allein gelassen und die Tür abgeschlossen hatte,
stand Tobias vom Lager auf und sagte zu Sara: "Steh auf meine
Schwester, wir wollen zum Herrn, unserem Gott beten, dass er Erbamen
mit uns hat und uns beschützt." Auch Sara stand auf, und
die beiden baten Gott, dass er sie vor dem bösen Geist in Schutz
nehme. Tobias sagte: "Herr, du hast das erste Menschenpaar
geschaffen, von dem die ganze Menschheit
abstammt. Du hast Adam
als Gefährtin und Beistand seine Frau Eva
gegeben und gesagt: ,Es ist nicht gut, wenn der Mensch allein ist.
Ich will ihm einen Gefährten geben, der zu ihm passt.' Du weißt,
dass ich mit dieser Frau (Sara) nicht nur flüchtige Lust
suche, sondern mich aus wahrer Liebe in lebenslanger Treue
mit ihr verbinden will. Deshalb hab Erbarmen mit uns beiden und
lass uns bis ins Alter beisammen bleiben." Dann gingen sie
zu Bett und beide schliefen die Nacht über miteinander.
Raguel hatte mit seinen Knechten in der Nacht schon das Grab
für Tobias ausheben lassen. Noch vor Morgengrauen riefen sie
eine Magd, gaben ihr ein Licht, schlossen die Schlafzimmertür
auf und schickten sie zum Nachsehen. Die beiden lagen in tiefem
Schlaf beieinander. So blieb Tobias in der Hochzeitsnacht am Leben
und konnte Sara von ihrer Besessenheit befreien.
Am nächsten Tag beauftrage Tobias Rafael mit vier Knechten
und zwei Kamelen nach Rages zu Gabael zu gehen, das Silber abzuholen
und Gabael zur Hochzeit einzuladen. Alle machten sich auf den Weg
zur Hochzeit, die zwei Wochen gefeiert wurde. Tobit und Hanna, die
Eltern von Tobias, machten sich schon sorgen. Als die beiden Festwochen
vergangen waren übergab Raguel (zögerlich) Tobias seine
Tochter Sara, und die Hälfte seines Besitzes. Saras Eltern
verabschiedeten die beiden mit vielen Segenswünschen.
Tobias war froh und glücklich und dankte dem Herrn. Das
frischgebackene Ehepaar wurde freudig von Tobias' Eltern empfangen.
Tobias strich seinem Vater Tobit die Fischgalle auf die Augen so
dass dieser von seiner Blindheit geheilt wurde. Tobias erzählte
überglücklich, dass er nicht nur das Silber bekommen,
sondern auch eine Frau gefunden habe, Sara. Die Hochzeit wurde noch
einmal sieben Tage lang gefeiert. Es war auch ein Freudentag für
alle Juden in Ninive! Als die Festtage vorüber waren, wollte
Tobias seinen Reisebegleiter mit der Hälfte des Silbers auszahlen.
Da gab sich der Engel zu erkennen. Ich bin Rafael (Gott heilt) einer
der sieben Engel, die vor Gottes Thron stehen. Ich war es, der euer
Gebet vor den Thron Gottes brachte. Er hat mich gesandt. Da erschraken
sie. Der Engel aber sagte: "Habt keine Angst, Gott meint
es gut mit euch!" Dann kehrte Rafael in den Himmel zurück.
Tobit lebte noch 42 Jahre und starb im Alter von 112 (158) Jahren. Als
auch Tobias' Mutter starb, begrub er sie neben Tobit. Dann zog Tobias
mit seiner Frau nach Medien und lebte bei Saras Eltern in Ekbatana.
Der junge Tobias bekommt von seiner Frau sieben Söhne, beerbt
seine Eltern und Schwiegereltern und stirbt im Alter von 117 (99
/ 127)
Jahren als hochangesehener Mann. Vor seinem Tod erfuhr er noch von
der Eroberung und Zerstörung Ninives durch den Mederkönig Kyaxares
(Nebukadnezar und Xerxes).
(wels)
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